Was bedeutet Pranayama?

Der Begriff Pranayama kommt aus dem Sanskrit und bezeichnet die Zusammenführung von Geist und Körper mithilfe von Atemübungen. Es ist eine der sieben Säulen des Ashtanga Yoga. Das Wort setzt sich aus Prana für Lebensenergie (vergleichbar mit Qi) und ayama für “kontrollieren” bzw. “erweitern” zusammen. In Summe bezeichnet Pranayama also die bewusste Vertiefung und Steuerung der Atmung durch regelmäßige Übungen und Achtsamkeit.

Da die Atmung als der Träger Lebensenergie gilt, kann Prana auch mit “Atem” übersetzt werden. Durch Konzentration auf die Atmung sowie die bewusste Ausführung der Atemtechniken kann das Bewusstsein beeinflusst werden – ähnlich wie bei der Meditation oder zahlreichen Entspannungstechniken. Wir wollen uns hier insbesondere der Atemtechnik Kapalabhati widmen.

Kapalabhati – eine Atemtechnik des Pranayama

Kapalabhati leitet sich von den Wörtern Kapala für “Schale” oder “Schädel” und bhati für “Licht” bzw. “Leuchten” ab. Im Großen und Ganzen kann es auch mit „Schädelleuchten“ übersetzt werden. Auch als Feueratmung bekannt, zählt Kapalabhati zu den Reinigungsübungen des Yoga. Die Betonung liegt hier ganz eindeutig auf der Ausatmung, welche aktiv und zugleich kraftvoll ist. Die Einatmung hingegen ist vergleichsweise passiv und eher reflexhaft.

Was bewirkt Kapalabhati?

Diese kraftvolle Atemtechnik bringt sowohl Vorteile für den Körper wie auch den Geist. Zum einen wird der gesamte Körper wieder ins Gleichgewicht gebracht, indem Giftstoffe ausgeleitet werden. Auf der geistigen Ebene erlaubt der Feueratem eine Abkehr von der Gegenwartsverhaftung. Wer konsequent übt, wird bei sich eine Unterbrechung des Gedankenflusses bemerken. Man bekommt einen “klaren Kopf”.

Was passiert bei Kapalabhati?

Indem bei der Übung verstärkt Kohlendioxide abgeatmet wird, verringert sich im Atemzentrum der Anreiz wieder einzuatmen. Dies wiederum führt zu längeren, mühelosen Atempausen. Gleichzeitig wird einer Übersäuerung des Körpers vorgebeugt. Man kann sich das in etwa so vorstellen: Bei der inneren Atmung der Zelle entsteht das Abfallprodukt Kohlendioxid, also Kohlensäure – dasselbe Gas, das wir als Sprudel aus der Mineralwasserflasche kennen. Sammelt sich dieser in zu hoher Konzentration im Blut an und wird nicht regelmäßig ausgeleitet, entstehen Schlacken und der Körper übersäuert.

So funktioniert Kapalabhati: Eine Anleitung

  • Komm in eine aufrechte Sitzposition auf deiner Matte.
  • Lege die Hände locker auf deinen Knien oder Oberschenkeln ab. Du kannst mit deinen Fingern ein Mudra formen oder sie einfach entspannt liegen lassen.
  • Nimm zwei tiefe Atemzüge. Beim dritten Atemzug hebst du den Brustkorb an. Ziehe danach deine Bauchdecke kräftig nach innen. Dabei entsteht in deiner Nase ein schnaubendes Geräusch.
  • Wiederhole diese “Pumpbewegung” 20 bis 100 mal. Fange vielleicht mit weniger Wiederholungen an und steigere die Anzahl mit der Zeit. Denke daran, dass es hier in erster Linie auch um Entspannung geht!
  • Wenn du mit deinen Wiederholungen fertig bist, atme wieder zweimal tief ein und aus. Zum Abschluss versuche die Luft solange es geht anzuhalten (etwa 20 bis 60 Sekunden).
  • Wiederhole den gesamten Ablauf nach Belieben, lege zwischen den Runden aber kleine Pausen ein.

Zusätzliche Anmerkungen:

  1. Achte darauf, dass nur deine Bauchmuskeln arbeiten. Deine Stirn sollte dabei unbedingt entspannt bleiben!
  2. Es kann sein, dass sich bei der Übung deine Nase ganz intensiv reinigt. Halte also ein Taschentuch bereit.

Kapalabhati Anleitungsvideo:

Quelle: Anna Kalhammer, YouTube

 


Weiterführende Literatur:

“Pranayama”. In: de.wikipedia.org.

“Kapalabhati Pranayama: Atemtechnik für eine ‘strahlende Stirn’”. In: artofliving.org.

Skuban, Ralph (2017). Pranayama: Die heilsame Kraft des Atems. Verlag: Aquamarin.

Kistenmacher, Gitta (2012). Pranayama – Die Atemschule des Hatha-Yoga: Übungsbegleiter zum tieferen Verständnis der Pranayama-Praxis. Verlag: Schirner.

Alke, Harald (2016). Die Stufen des Pranayama: Das Geheimnis von Atmung und Konzentration für ein erfülltes Leben (Kindle-Ausgabe). Verlag: Kyborg Institut.